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Biografie Karlheinz Nürnberg


Am 23. Februar des Kriegsjahres 1918 ist Karlheinz
Nürnberg in Hattingen/Ruhr zur Welt gekommen.
Schon 14-jährig gab er sein erstes öffentliches
Violindebüt mit dem 1. Violinkonzert (g-Moll) von
Max Bruch, welches er mit ebensoviel Technik wie
Ausdruckskraft vorzutragen wußte. Achtzehnjährig
folgte sein Dirigentendebüt mit Johannes Brahms
Sinfonie (c-Moll), welche er mit der Formkraft
seines eigenen Stilgefühls in Essen/Ruhr meisterte.
Karlheinz Nürnberg war Zeitgenosse dreier
Generationen . Die ältere Generation schätzte den
Komponisten, Dirigenten und Musikwissenschaftler,
die Mittlere stand dem Violinisten, Komponisten und
dem Organisator sehr nahe. Die Jüngere hingegen
empfand Karlheinz Nürnberg durch seine praktisch
angelegten Kompositionen, welche elektronische
Technologien und die Kompositionslehre aller musikalischen und elektroakustischen Technologien wie auch schallwissenschaftliche Grenzprobleme (nach Prof. Scherchen, Gravesano) miteinander verbanden, als Förderer der zeitgenössischen Musik. Von welchem Standpunkt man Karlheinz Nürnberg auch immer betrachtet, stets wurde und wird vorab gewürdigt, daß die Kunst des Violinisten, Komponisten, Dirigenten und Musikwissenschaftlers mit Leistung zu tun hat. Leistung und Persönlichkeit gelten hier als Voraussetzung einer moralischen, irdische Gegensätze überbrückenden Kraft der Tonkunst.

Von Jugend an wurde Nürnberg wegen seiner geistigen Disziplin und Reife gefördert. Es wird allgemein gesagt, daß frühreife Menschen Spätlinge von Kulturepochen sind, sogenannte Endprodukte langer Entwicklungsgänge, woran der 2. Weltkrieg nicht ganz unschuldig ist, der jede Weiterentwicklung unterband. So ist er auch ein Spätling im Sinne der romantischen Geistesrichtung, die in der Musik eine höhere Botschaft sieht.
Kunstreisen führten ihn bis zu seinem Tode durch die Musikzentren des europäischen Kontinents. Die großen italienischen Musikzentren, insbesondere Venedig, Cremona, Pavia, Mailand, Florenz und Rom regten seine schöpferischen Impulse an. Von welchem Gesichtspunkt aus man heute Karlheinz Nürnberg sieht, er hat immer in verschiedenen Ausdrucksbereichen der Musik - als Bekenntnis eines Musikers unserer Zeit - mit seinem kompositorischem Werk zu den weltweiten Problemen Stellung bezogen. Sein Weltbild hat sich mit den Jahren erweitert. Aus dem Renaissance-Schaffen wurde auch inzwischen der Gestalter neuer musikalischer Panoramen in zeitgenössischen Dokumenten. Auf internationalem Gebiet lieferte er wichtige Beiträge für die zeitgenössische Kunst, die er hauptsächlich in Mailand erarbeitete.

Über alle Wandlungen der Jahrzehnte hinweg ist Karlheinz Nürnberg seinem Grundprinzip der klanglichen Verwirklichung von Schönheit treu geblieben. Er hat signifikative Klangmuster entwickelt, in denen Form und Inhalt zu einer überzeugenden Einheit verschmelzen.

In seinem Drang nach künstlerischer Gestaltung von Weltinhalten und Themen hat er in handwerklicher Meisterschaft und ingeniöser Souveränität alle musikalischen Gattungen und Klangbereiche mit einer Fülle gültiger Werke bedacht. (Prof. Ott, Staatsbibliothek München).

Von seinen großen weltlichen und geistlichen Chorschöpfungen und oratorischen Gestaltungen gelangte Karlheinz Nürnberg zur Gattung der Bühnendramatik. Seine Ballette sind Beschwörungen der geistigen und sinnlichen Welt, hörbare und sichtbare Allegorien traumhafter Gesichter, unsagbarer Empfindungen symbolhafter Geschehnisse und der abendländischen Kultur. Aus den Bühnenwerken wird klar, daß Karlheinz Nürnberg die Geschichte liebte, daß ihn die Arbeit an historischen Stätten faszinierte, daß er insbesondere in seinem Denken der italienischen Renaissance verbunden war, wie die Stoffe seiner Opern bezeugen.

Durch seine eingehende Forschungsarbeit, die Karlheinz Nürnberg „Selektive Ordnung für elektronische Musik" (SOFEM) nannte, hat sich der Komponist neue Möglichkeiten geschaffen, seine eingeprägten Klangvorstellungen zu realisieren. Der auch malerisch Begabte, der die Bühnenbilder zu seinen Opern zumeist selbst entwarf, fand überdies in der Kombination seiner elektronischen Musik mit Laser ein zusätzliches Medium, um seinen Traum von Gesamtkunstwerk in unserer Zeit und darüber hinaus mit den technischen Errungenschaften Wirklichkeit werden zu lassen (Prof.Ott, Staatsbibliothek München).

Alleine die vielen Veröffentlichungen aus zwei Jahrzehnten in Form von Aufsätzen, Kolumnen, Kommentaren und Schriften für das „Internationale Podium" gekoppelt mit „ORGAN-Show-Business" sprechen für sein kulturpolitisches und gesellschaftspolitisches Engagement.

Das kompositorische Lebenswerk Karlheinz Nürnbergs umfaßt weit über 300 Werke. Das Spektrum umfaßt Opern, Ballette, sakrale Werke, Sinfonien, Kammermusiken usw.(grobe Zusammenfassung). Zusätzlich reichte er alle 4 Jahre anläßlich der Olympischen Spiele (Winter- wie Sommerspiele) Kompositionen und Werke an das IOC ein. Im Jahre 1973 konzipierte er „SOFEM" (Neue elektronische Musik mit der selektiven Ordnung), welche die Bedeutung, die man seinem Schaffen gab, nur noch ansteigen ließ. Karlheinz Nürnberg wurde eigens hierfür von der Firma SIEMENS AG, Erlangen-München, eingeladen um seine auditio-visuelle Kunst mit dem Bühnenlaser BL 71 (damals noch in der Entwicklung!) in szenische Darstellung zu bringen. So wurden viele Werke elektronischer Musik (autonome und angewandte) von ihm als Solist eingespielt. Bedeutende Bühnen archivierten seine Werke. Unter Dr. Alfons Ott wurde bei den Städtischen Bibliotheken Münchens ein „Karlheinz Nürnberg-Archiv" eingerichtet, seine Opernwerke im Shakespeare Music Catalogue der University of Victoria USA registriert und seine kompositorische Dokumentation „Olympic Ceremonial Music 1932-1992" im Sport- und Olympiamuseum in Köln archiviert. Zeit seines Lebens war Karlheinz Nürnberg dem olympischen Gedanken und den IOK´s zugetan und offen. Seinem Engagement dankend, hielt es der NOK-Präsident Dr. Tröger für angebracht und würdig die Sammlung „Nürnberg" in das Sport- und Olympiamuseum Köln aufzunehmen. Karlheinz Nürnbergs Auseinandersetzungen mit praktisch-kompositorischen Problemen der modernen zeitgenössischen Kunst in Einbezug der musikalischen und schallwissenschaftlichen Grenzprobleme fanden international Beachtung und Zustimmung. Als Anerkennung für sein kulturelles und berufliches Engagement wurden ihm im Laufe seiner schöpferischen Jahre viele Auszeichnungen und Ehrungen zuteil. So sind ihm neben vielen internationalen Kulturauszeichnungen die Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD und die große Medaille des IOC (Internationales Olympisches Komitee) verliehen worden. Am 4. September 1999 verstarb Karlheinz Nürnberg ganz plötzlich und überraschend. Seine Person spiegelte jene Art Menschen wider, welche zeitlebens Erstling ihrer Idee oder Eingebung folgen. So lebte Karlheinz Nürnberg für seine Musik, dem steten Schaffen seiner Werke. Er selbst schrieb einmal: „Der Rhythmus meines Lebens hat sich zwar Zeit gelassen, aber von den vielen möglichen Lebensbahnen in der Jugend hat ein Zufall mir frühzeitig eine ausgewählt, welche unter den Umständen als außergewöhnlich angesehen werden konnte. Ich habe diese Lebensrolle tapfer, nicht ungern und nicht ohne äußere Anerkennung gespielt. Es war die Lebensrolle, die der Schöpfer offenbar mit mir vorgehabt hat".

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